Zu Beginn des Tages besuchte René Brettschneider das Kinderhaus Kappelino und gab dort einige selbst geschriebene Werke zum Besten. So etwa das vom Schwein Karl Gustav, das lieber ein anderes Tier sein wollte, um schließlich festzustellen, dass es doch am schönsten ist, ein Schwein zu sein. Oder das vom Honigbienchen Fridolin, das mit einem langen und einem kurzen Flügel auf die Welt kam und deswegen regelmäßig verunfallte - nach Anlegen einer Flügelschiene durch die Königin wurde sie die Fleißigste im Königreich. Mit „Die stumme Prinzessin aus dem Schloßteich“ von René B. Werner, das den Chemnitzer Märchenpreis 2025 gewonnen hatte, ging der Vormittag zu Ende.
Am Nachmittag begrüßten dann zunächst viele neugierige junge Menschen im Kinder- und Jugendhaus solaris-TREFF Yordan Minchev, Basketballprofi bei den Niners Chemnitz. Der bulgarische Sportler las im bilingualen Duett mit der ebenfalls in Bulgarien geborenen Verantwortlichen des Hauses das Märchen vom Rotkäppchen vor. Anschließend stand er für Fragen zu sich und seinem Sport zur Verfügung und erfüllte geduldig die Autogrammwünsche des Nachwuchses. Im Kinderhort Kappelino ging es ebenfalls tierisch zu – hier wurde „Die Schule der magischen Tiere vorgelesen (Bild 3).
Den Abschluss des Vorlesetages bildete Manuela Klitzsch im Mehrgenerationenhaus Chemnitz mit ihrem selbst geschriebenen Buch "Mein Kinderzimmer in den Wolken". In diesem schildert sie durch die Brille eines Kindes, das vom 6. Stock eines Wohnhauses im Heckert-Gebiet des Chemnitz der DDR einen perfekten Überblick über ihr Heimatquartier hatte, alltägliche Eindrücke. So etwa die Herausforderung, eine üppig besuchte Familienfeier mangels ausreichender Gaststättenkapazitäten in der eigenen Wohnung auszurichten: Vom Sitzen auf improvisierten "Möbeln", dem unüberhörbaren Geräusch der Toilettenspülung bis über den Verdauungsspaziergang und unvermeidbare (mutmaßlich mitgehörte) politische Diskussionen rief sie mit ihren Schilderungen im Publikum so manches zustimmend-lächelnde Nicken, rührselige Seufzen und dem Nachbarn zugewisperten Erinnerungsstück hervor. Wie sich Kinder über den ersten Schnee freuten oder die Leute ihre Autos mit hingebungsvollem Eifer wuschen - schier unerschöpflich erschien die Sammlung an Impressionen aus dem Leben der 1970er und 80er Jahre.
Sämtliche Veranstaltungen waren bestens geeignet, die Lust am (Vor-)Lesen zu wecken, zu fördern oder schlicht zu bedienen, denn Vorlesen kennt kein Alter. Die Aktionen im solaris-TREFF und im Kinderhort Kappelino wurden durch die Unterstützung der Stiftung Lesen ermöglicht. Wer sein Interesse am Lesen verstetigen möchte, kann sich kostenlos und ohne Anmeldung dem durch die Stiftung ermöglichten Leseclub im solaris-TREFF anschließen, der immer donnerstags um 16.00 Uhr stattfindet.








