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"Verloren im Winkel" – Werke aus der "KuFa" bei Midissage zu sehen

Eingefahrene Wege verlassen, „Out-of-the-box-Denken“, dem Alltag entfliehen – für die Themenrichtung der künstlerischen Werke von Lotta Storch lassen sich viele Begriffe in unserer Sprache finden. Die konkreten Botschaften jedoch sind einzigartig und tiefsinnig.

Wer sich ihnen nähern möchte, ist herzlich zur Midissage am 16. September 2025 ab 19.30 Uhr in die Stadtbibliothek Chemnitz (im Tietz, Moritzstraße 20) eingeladen. Eine Midissage ist eine Würdigungsveranstaltung der Künstlerin etwa zur zeitlichen Mitte einer Ausstellung, die im vorliegenden Fall seit 14. August gezeigt wird und noch bis Anfang Oktober 2025 zu sehen ist.

Von September 2024 bis August 2025 absolvierte die Künstlerin ein  Freiwilliges Ökologisches Jahr in der  Chemnitzer Kunstfabrik. Neben ihrer Unterstützung bei der integrativen Arbeit hat sie auch selber immer wieder ins intensive künstlerische Arbeiten gefunden. Es entstanden Monotypien und Collagen sowie digitale und analoge Malereien. Die Werke der Ausstellung widmen sich der „existenziellen Spannung“ zwischen Mensch und Natur, zwischen Originärem und Künstlichem und auch dem Konzept der Zeit. Der Zugang zur Veran-staltung ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Hier die ausführliche Widmung der Künstlerin zur Ausstellung:

Während meiner Zeit in der Chemnitzer Kunstfabrik hatte ich die Möglichkeit, mich mit der Arbeit an künstlerischen Projekten zu befassen und konnte darin meine eigene Ausdrucksweise weiterentwickeln. Die Werke spiegeln meinen Schaffensprozess wider und darüber hinaus auch die Erfahrungen und Impulse, welche ich sammeln durfte.

In einer Welt, in der rechte Winkel und gerade Linien den Blick bestimmen, entfernt sich der Mensch zunehmend von seiner Herkunft, der Natur. Industrialisierung, Konsum und Massenproduktion haben nicht nur unsere Städte, sondern auch unser Inneres geformt; zu Räumen aus Beton, Lärm und Anonymität.

Die Arbeiten dieser Ausstellung – Monotypien, Collagen, digitale und analoge Malereien –  zeigen die Schnittstelle zwischen Natur und Materialität. Sie machen sichtbar, wie wir uns inmitten von Maschinenprodukten, Krach und Stress selbst zum Gegenstand verwandeln. Gefühle werden zugemauert, Kreativität blockiert, das Denken eingeengt in einem Raster aus Uniformität und Strukturen, die kaum noch Leben atmen.

Wir stecken in einer Box, die wir uns selbst gebaut haben und beginnen ihre Grenzen für selbstverständlich zu halten. Doch hinter der Oberfläche liegt eine stille Frage. Was geschieht mit uns, wenn wir unsere Wurzeln verleugnen? Wenn wir uns selbst in materielle Dinge verwandeln und dabei den Zugang zu uns, zu anderen und zur Natur verlieren?

Zentral ist dabei auch das Konzept der Zeit. Unser Leben richtet sich nicht mehr nach der inneren Uhr, nach dem Rhythmus der Natur, sondern nach einem vorgegebenen Takt, einer künstlichen Ordnung, die uns antreibt und gefangen hält.

Es entsteht eine existentielle Spannung. Wir kommen aus der Natur, haben aber Systeme geschaffen, die sich von ihr abwenden. In diesem Sinne stellt sich die Frage, wohin wir uns verwandeln, wenn wir weiterhin Menschlichkeit gegen Funktion und Gefühle gegen Geometrie eintauschen.